Info Startseite
Info Liste digitalisierter Titel
Info Emblemdatenbank
Info Hinweise zum Gebrauch der Datenbank
Info Instructions for the use of the database
Info Impressum
Info Datenschutzerklärung

Zur Blätterversion



Johann Ulrich Krauß
Heilige / Augen- und Gemüths-Lust Vorstellend Alle Sonn- Fest- und Feyrtägliche / Nicht nur / Evangelien Sondern auch / Epistelen und Lectionen Jene Historisch Diese auch Emblemmatisch und mit curieusen / Einfassungen In vielen Kupffer-Stücken von frembder und gantz neuer / Invention, / So wohl zur Kunst-Ubung als Unterhaltung Gottseeliger / Betrachtungen wie auch Vermehrung der Kupffer-Biblen und Außzierung aller Christlichen / Postillen dienlich.
Augsburg, Johann Ulrich Krauß, 1706
Gedruckt in Augsburg
 
Der Augsburger Kupferstecher und Verleger Johann Ulrich Krauß (1655-1719) erlernte sein Kunsthandwerk bei Melchior Küsel (1626- ca. 1683), einem Schüler Matthaeus Merians d. Ä. (1593-1650). Nach mehrjährigem Aufenthalt in Wien trat Krauß in den Augsburger Verlag Melchior Küsels ein und heiratete 1685 dessen Tochter Johanna Sibylla Küsel (um 1650-1717). Unterstützt von seiner gleichfalls als Kupferstecherin tätigen Frau, avancierte Kraus bald zu einem der angesehensten Kupferstecher Augsburgs, und sein Verlagsgeschäft prosperierte. Angebote verschiedener Fürstenhöfe soll er abgelehnt haben. Zwar scheint der Verlag durch die Verwüstungen des Spanischen Erbfolgekrieges (1701-1713) stark in Mitleidenschaft gezogen worden zu sein, doch schon bald konnte die Produktion wieder aufgenommen werden: Im Jahr 1717 weist das Steuerbuch der Stadt Augsburg Kraus als wohlhabenden Bürger aus.
Seine Arbeiten kennzeichnen bemerkenswerte Sorgfalt und gewandte Darstellungskunst. Stilbildend wirkten dabei v. a. die Arbeiten Sébastien Leclercs (1637-1714) und Jean Lepautres (1618-1682). Zu den Kupferstichsammlungen, die Kraus mit Emblemen ausgestattet hat, gehört neben den Tapisseries du Roy die Heilige Augen- und Gemüths-Lust (1706 u. ö.). Gegliedert in zwei Teile (Teil 1: Bl. 1-70; Teil 2: Bl. 71-120), denen jeweils ein ganzseitiger Kupferstich und das Titelblatt vorangestellt sind, enthält die Heilige Augen- und Gemüths-Lust neben der eigentlichen Sammlung einen höchst informativen Vorbericht zu Entstehungsgeschichte und Wirkungsabsicht. Außerdem erleichtert ein Register den Zugriff. Die eigentliche Sammlung von 120 Einzelblättern bietet in streng durchgehaltener Zweiteilung Text-Bild-Ensembles zu Evangelien- und Lesungstexten der sonn- und feiertäglichen Leseordnung. Dabei folgt Kraus mit seiner Gestaltung der oberen Bildhälfte traditionellen Bahnen: Historisierend-illustrative Stiche der jeweiligen Evangelienszenerie werden von mehreren Reimpaaren begleitet, die den zugrundeliegenden Evangelientext in erbaulicher Absicht paraphrasieren; der Rückgriff auf französische Vorlagen und eigene Bilder-Bibeln (Historische Bilder-Bibel ..., 5 Teile, [1698-1700]) ist unverkennbar; demselben Illustrationsprinzip ist auch sein Biblisches Engel- und Kunstwerck (1694) verpflichtet. Anders verfährt Kraus mit den der unteren Blatthälfte vorbehaltenen Lesungstexten: Hier komponiert er komplexe Text-Bild-Ensembles emblematisch-allegorischer Art; direkte Vorbilder fehlen. Dafür beeindrucken die meisten Ensembles der unteren Bildhälfte durch ungewöhnliche Text-Bild-Kombinationen (Nr. 28, 65 u. a.) und den souveränen Umgang mit emblematisch-allegorischen Motivtraditionen (Nr. 1, 26 u. v. a.), bevorzugt nichtreligiöser Provenienz. Die Heilige Augen- und Gemüths-Lust gilt denn auch weniger der konfessionell gebundenen Glaubensschulung als vielmehr einer auf private Schriftlesung berechneten, letztlich synästhetischen Glaubensvertiefung.
Mit seinem Präsentationskonzept stieß Krauß auf reges Käuferinteresse; die Heilige Augen- und Gemüths-Lust erlebte zahlreiche Auflagen in verschiedenen Formaten.
 
Literatur: Lechner, Nr. 29. - Fedja Anzelewsky (Hg.): Hollstein's German engravings, etchings and woodcuts. Ca. 1400-1700. Bd. 19. Amsterdam 1976, Nr. 713-780. - Augustyn: Augsburger Buchillustration, S. 842f. - Maria Lanckoroñska: Die Augsburger Druckgraphik des 17. und 18. Jahrhunderts. In: Hermann Rinn (Hg.): Augusta 955-1955. Forschungen und Studien zur Kultur- und Wirtschaftsgeschichte Augsburgs. München 1955, S. 347-362. - Maria Lanckoroñska u. Richard Öhler: Die Buchillustration des XVIII. Jahrhunderts in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bd. 1. Berlin 1932, S. 19-40, 92-94; Bd. 3. Berlin 1934, S. 77-80. - Otto Reichl: Die Illustrationen in vier geistlichen Büchern des Augsburger Kupferstechers Johann Ulrich Kraus. Straßburg 1933. - Christina Thon (Hg.): Augsburger Barock. Ausstellung unter dem Patronat von ICOM. Augsburg 1968, S. 405-452.
Bibliographie: Landwehr (1972), Nr. 390. - Praz, S. 389.
 
Künstler: Johann Ulrich Krauß
 
Sprache(n): dt.
Exemplare: ZIKG: SB 306/3 R    -    Signatur: BSB: Res/2 B. hist. 27








Zur Blätterversion



Johann Ulrich Krauß
Tapisseries du roy
Augsburg, Johann Ulrich Krauß, 1710
Gedruckt bei Johann Jacob Lotter
 
1662 wurde Charles Le Brun die Leitung der französischen königlichen Gobelinmanufaktur übertragen. Seine ersten beiden eigenen Tapisserie-Serien, die er in enger Zusammenarbeit mit der Petite Académie zur Verherrlichung Ludwigs XIV. entwarf, waren die Zyklen der vier Elemente ('Quatre Éléments') und der vier Jahreszeiten ('Quatre Saisons'), die formal weitgehend identisch gestaltet sind. Jeder Wandteppich besteht aus einem Mittelbild und einer Bordüre mit ornamental-allegorischen und emblematischen Motiven. Im Zentrum der Darstellung stehen jeweils zwei mythologische Figuren, in den Bordüren finden sich je vier Embleme, die sich auf die vier königlichen Tugenden (Frömmigkeit, Großmut, Güte und Tapferkeit) beziehen. Félibien hatte eine Beschreibung von Le Bruns Entwürfen mit ihren Devisen publiziert (1665), bevor die Tapisserien fertiggestellt waren; in einer zweiten Auflage (1667) kamen von Charles Perrault verfaßte Epigramme für die Embleme hinzu. Der Miniaturmaler Jacques Bailly (1629-1679) und der Kalligraph Nicolas Jarry präsentierten dem König ein illuminiertes Manuskript, das die Embleme mit ihren Motti und Epigrammen enthielt. Nach Baillys Miniaturen schuf Sébastien Leclerc (1637-1714) Radierungen, die er mit Gesamtdarstellungen der Teppiche ergänzte. Diese Radierungen wurden zusammen mit Félibiens beschreibenden Erklärungen und den Epigrammen Perraults 1670 veröffentlicht und mehrfach wieder aufgelegt und veranlaßten Bailly, sein Manuskript mit Gesamtansichten der Teppiche zu erweitern.
In kleinerem Format hat der erfolgreiche Augsburger Kupferstecher und Verleger Johann Ulrich Krauß die französische Edition der beiden Tapisserie-Zyklen zusammen mit einer vollständigen deutschen Übersetzung wiederholt herausgebracht. Auch Kraus bietet die Gesamtansichten wie auch die Einzeldarstellungen der Embleme. In der Ausgabe von 1690 präsentiert er die Embleme mit ihren gestochenen zweisprachigen Motti auf Doppeltafeln und läßt die Texte folgen, in anderen Auflagen ahmt er das französische Vorbild genauer nach und druckt die picturae zusammen mit ihren subscriptiones auf Einzelblättern, so daß die Einheit von Text und Bild gewahrt bleibt.
In der Vorrede rechtfertigt Krauß sein verlegerisches Interesse an einem emblematischen Werk aus dem Umkreis des französischen Königs mit der Absicht, Kaiser Leopold I. (1640-1705) demonstrieren zu wollen, daß die deutsche Kupferstecherkunst hinter der französischen nicht zurückstehe. Zugleich räumt er ein, daß ökonomische Rücksichten ihn bewogen hätten, sich für ein kleineres Format zu entscheiden: "Wollen aber derselbigen Formen etwas verkleinern / damit ich beydes mir selber / in Beschneidung der Zeit / die Müh verringern / als auch den Kunstliebenden um einen billichern Preiß in solcher Form verkauffen möchte." Damit dürfte erwiesen sein, daß der Emblematik im späten 17. Jahrhundert ein erheblicher Stellenwert auf dem Buch- und Graphikmarkt zukam.
 
Literatur: Stefan Germer: Kunst - Macht - Diskurs. Die intellektuelle Karriere des André Félibien im Frankreich von Louis XIV. München 1997, S. 225-235, S. 517f. - Harms: Pommersfelden, S. 147-149. - Schilling: Vorbilder, S. 64. - Dietmar Peil: Das Schema der vier Elemente in der politischen Metaphorik. In: Francesca Rigotti u. Pierangelo Schiera (Hgg.): Aria, terra, acqua, fuoco: i quattro elementi e le loro metafore. Bologna [usw.] 1996, S. 213-237, hier S. 229-231. - Augustyn (1997), S. 842f. - Künast (1997), S. 1252 (zu Krauß) und S. 1263 (zu Lotter). - Saunders (2000), S. 290-299.
Bibliographie: Landwehr (1972). Nr. 279-282. - Landwehr (1976), Nr. 287-291.
 
Künstler: Johann Ulrich Krauß
 
Sprache(n): frz., dt. lt.
Exemplare: Ausg. 1687: BSB: 2 Art. 137 d; 2 Icon. 113 b; Ausg. 1710: BSB: Fiche 2 Techn. 12 b; Ausg. 1690: BSB: 2 Icon. 111; Res/2 Techn. 12; Ausg. o. J.: BSB: 2 Icon. 113 a    -    Signatur: BSB: Res/2 Techn. 12 b








Zur Blätterversion



Antonius a Burgundia
Mundi lapis lydius. Oder: Der Welt -Probier-Stein / Das ist / Emblematische Sitten-Lehren / Deß berühmten D. Antonii à Burgundia. ... Jn diesen Sitten-Lehren wird die Vanitaet oder Eitelkeit durch die Wahrheit beschuldigt und überwiesen deß Falsches und Betrugs.Dieses Wercklein illustrirte und erklärte mit Lateinischen Versen Aurelius Augustinus Clemens, von Brüssel / Fr. Eremita Augustianus. Anietzo denen Liebhabern der Künsten ins Teutsche übersetzt und erklärt in 51. Sinnbildern.
Augsburg, Johann Ulrich Krauß, 1712
Gedruckt bei Johann Jacob Lotter
 
Antonius a Burgundia findet sich als Herausgeber zweier Ausgaben aus Antwerpen, die ebenfalls den Titel 'Mundi lapis lydius' tragen. Die eine von 1639 ist dabei in lateinischer, die von 1643 in niederländischer Sprache verfasst. Doch erst in der Brüsseler Ausgabe von 1665 sind die Illustrationen von Aurelius Augustinus Clemens von Brüssel, wie sie auch für die deutschsprachige Ausgabe aus Augsburg (1712) verwendet wurden. Für die deutsche Ausgabe wird Johann Ulrich Krauß als Herausgeber genannt, als Drucker ist Johann Jacob Lotter vermerkt. Nach dem Titelkupfer folgt eine ausführliche Erklärung desselben. Der Band enthält 51 Embleme, die jeweils rechts auf einer Doppelseite abgedruckt und mit einem zweiteiligen lateinischen Motto versehen sind, das auf der linken Hälfte paraphrasierend in deutsche Verse in wechselnder Zahl übersetzt ist. Die lateinische Subscriptio (ebenfalls auf der rechten Seite) ist stets ein Vierzeiler, der auf der linken Hälfte der Doppelseite als deutsche Verse in ebenfalls wechselnder Zahl wiedergegeben ist. Anschließend folgt eine ausführliche Erklärung (rechts wiederum in Latein, links auf Deutsch) in Prosa. Meist handelt es sich um moralische Lehren, die mit Hilfe der Embleme vorgeführt und verdeutlicht werden sollen.
In der Datenbank werden die zweiteiligen lateinischen Motti als zwei verschiedene Motti geführt. Die entsprechenden deutschen Übersetzungen sind teilweise zu umfangreich, um noch als Motto anerkannt zu werden; sie werden zu Beginn des Kommentars eingetragen.
 
Literatur: Praz, S. 292f. - Lechner, S. 24f. (Nr. 11).
Bibliographie: Landwehr (1972), Nr. 45.
 
 
Sprache(n): lt., dt.
Signatur: BSB: Res/4 L.eleg.m. 6








InfoZurück zur Suchmaske